Wie aus einer in die Jahre gekommenen Garage ein Millionenprojekt wird – und warum wir uns heute schon auf die nächste Lenkungsgruppe freuen dürfen.

Ein satirischer Lagebericht aus Sicht der OWG


Es war einmal in Havighorst eine Feuerwehr. Die hatte ein Haus. Und in dem Haus standen zwei Löschfahrzeuge und ein Transporter. Eines Tages wurde eines davon durch ein neues, moderneres Löschfahrzeug ersetzt – das allerdings nur unter erheblichem Bauch Einziehen durch das alte Hallentor passte. Für rund 50.000 Euro wurde das Haus also kurzerhand angepasst, damit das neue Fahrzeug gerade so hineinrollt. Eine, wie wir finden, sehr norddeutsche Lösung: praktisch, sparsam und irgendwie auch ein bisschen schief.

Doch schon früher kam die Hanseatische Feuerwehr Unfallkasse vorbei und sagte – verkürzt – „Liebe Leute, das hier entspricht ja gar nicht mehr den geltenden Vorschriften.“ Tja. Damit war klar: Es muss ein Neubau her.

Akt 1: Das Grundstück, das eigentlich für etwas anderes war

Gegenüber der alten Wache hatte die Gemeinde freundlicherweise schon ein Grundstück gekauft – ursprünglich gedacht als gemeinsamer Standort für Feuerwehr und Bauhof. Dann wurde der Bauhof anders gedacht. Übrig geblieben ist ein Schlauchgrundstück: vorne schmal, hinten lang. Ein bisschen wie die Tagesordnungen unserer Sitzungen.

Die OWG hat von Anfang an darauf hingewiesen, dass dieses Grundstück nur mäßig geeignet ist: schmal, beschnitten durch den Wurzelbereich großer Bäume an der Westseite, mit Abstandsflächen, die einem das Planerleben schwer machen, einem Grundwasserstand 30 cm unter Geländeoberkante und der angenehmen Eigenschaft, dass das Oberflächenwasser der Dorfstraße bei Starkregen gerne mal vorbeischauen möchte. Aufschütten ist Pflicht, eine tiefere Zufahrt für den Hochwasserschutz auch, und das Regenrückhaltebecken, das man hinten gerne errichtet hätte? Geht laut Zweckverband leider nicht – Fläche zu klein, Boden zu nass, Anbindung fehlt.

Aber gut. Wer sind wir denn schon? Nur eine Wählergemeinschaft, die ihre Bedenken vor der Beschlussfassung äußert statt danach.

Akt 2: Die Lenkungsgruppe, die zu allem eine Meinung hat. Zu allem.

Damit das Projekt zielgerichtet vorangetrieben wird, hat die Gemeindevertretung 2024 eine Lenkungsgruppe ins Leben gerufen. Politik, Feuerwehr, Verwaltung, Architekturbüro – alle an einem Tisch. Das ist im Kern eine gute Idee. Wirklich.

Was diese Lenkungsgruppe in zahlreichen Sitzungen erarbeitet, beraten und abgestimmt hat, ist allerdings auch bemerkenswert. Eine kleine, unvollständige Auswahl der getroffenen Beschlüsse:

  • Ob die Innenwände verputzt werden (Antrag „ohne Putz“: abgelehnt mit 5 zu 1)
  • Welche Fassade es wird (Verwaltungsteil Ziegel Vormauerwerk, Halle Metall)
  • Welche Dachform (Bitumendach abgelehnt, Metalldach beschlossen, Gründach – nun ja, „planerisch nicht weiterverfolgt“)
  • Welche Bodenbeläge wo verlegt werden (EG: Fliesen. OG: Fliesen in Sanitär, Flur, Küche, Technik – ansonsten Nadelfilz)
  • Ob es Dachfenster über der Fahrzeughalle gibt (nein, weil Sonnenlicht die Folierung der Fahrzeuge ausbleicht)
  • Wie hoch genau die Hallentore werden müssen (4,50 m, DIN gerecht)
  • Auf welcher Höhe Steckdosen montiert werden (1,05 m, falls Sie es ganz genau wissen wollten)

Und das alles geht anschließend, ganz nach kommunaler Sitte, in den Ortsbeirat. Dann in den Bauausschuss. Weiter in den Finanz und Wirtschaftsausschuss. Und schließlich in die Gemeindevertretung. Und manchmal wieder zurück. An jeder Station hat selbstverständlich noch jemand eine sehr gute Idee, die wiederum eine Schleife im Planungsbüro auslöst – kostenpflichtig, versteht sich.

Viele Köche verderben den Brei? Ach was. Bei uns wird der Brei nur etwas teurer. Etwas dünner. Und etwas später serviert.

Akt 3: Die Kosten, die einfach wachsen wollen

Beim Abschluss der Leistungsphase 2 stand eine Zahl auf dem Papier. Beim Abschluss der Leistungsphase 3 stand eine andere. Genauer: rund 1.057.000 Euro mehr. Allein die Außenanlagen wachsen um etwa 487.500 Euro – unter anderem, weil aus dem Parkplatz eine Übungsfläche werden soll, eine Grillecke entstehen darf, das Pflaster für schwere Fahrzeuge verstärkt werden muss und der gesamte Bereich für den Übungsturm aufgerüstet wird.

Aktuelle Gesamtsumme: 7.041.086,90 Euro. Brutto. Im Haushalt verfügbar: knapp 5,4 Millionen. Fehlt also nur eine Kleinigkeit von 1,7 Millionen Euro, die „zusätzlich zur bestehenden Verpflichtungsermächtigung“ für das Haushaltsjahr 2027 eingeplant werden soll. Zusätzlich. Versteht sich.

Und weil das langsam unangenehm wird, hat man sich auf einen Sparkurs verständigt: Es sollen 15 Prozent eingespart werden. Wo genau? Das überlegt man sich noch. Aber irgendwo wird sich schon etwas finden lassen. Vielleicht beim Putz der Innenwände. Ach nein, der wurde ja gerade behalten.

Akt 4: Der Übungsturm, der höher will als erlaubt

Selbstverständlich darf bei einer Feuerwache des Jahres 2026 ein Übungsturm nicht fehlen. Die Feuerwehr Havighorst hätte dabei gerne die Variante B – also die größere. Mit 13,90 Metern. Das sind 2,90 Meter mehr als der Bebauungsplan erlaubt. Macht aber nichts, dafür gibt es ja Befreiungen.

Den Übungsturm im benachbarten Reinbek mitnutzen? Wäre denkbar, gilt aber als „terminlich herausfordernd“ und „voraussichtlich kostenbeteiligungspflichtig“. Also lieber selber einen.

Kostenpunkt für das gewünschte Modell: 155.000 Euro Haushaltsansatz, plus Fundament (noch nicht beziffert), plus Außenanlagen Mehrkosten von zusammen rund 157.000 Euro für höherwertigen Flächenaufbau, Mastleuchten und Schutzpoller. In Summe also etwa 312.000 Euro für ein Bauwerk, das ein paar Mal im Jahr genutzt wird. Aber für die Einsatzkräfte unverzichtbar, für die Jugendwehr motivierend und für das Ortsbild eine echte Bereicherung. Sagen jedenfalls jene, die ihn gerne hätten.

An dieser Stelle möchten wir der geneigten Leserschaft versichern: All das passiert wirklich in unserer Gemeinde. Wir leben nicht in Schilda.

Akt 5: Der Vorhang, der noch nicht fällt

Damit eines klar ist: Die OWG steht zur Freiwilligen Feuerwehr. Wir wollen eine moderne, funktionale, zukunftsfähige Wache in Havighorst. Aber wir wollen die Feuerwehr nicht zu jedem Preis.

Wir hatten von Anfang an Zweifel an der Eignung dieses Grundstücks. Wir haben sie geäußert und mehrere Alternativen vorgeschlagen. Die Zweifel und Vorschläge stehen in den Protokollen. Sie sind nicht weniger geworden, sondern mehr: schmaler Zuschnitt, schwieriger Baugrund, hoher Grundwasserstand, Hochwasserrisiko, kein Platz für ein Regenrückhaltebecken, ständig wachsende Außenanlagen, ständig wachsende Gesamtkosten.

Trotz dieser Bedenken arbeiten wir in der Lenkungsgruppe und in den Ausschüssen weiterhin konstruktiv mit. Nicht, weil wir unsere Position aufgegeben hätten – sondern weil unsere Feuerwehr und unsere Gemeinde es verdient haben, dass dieses Projekt zu einem zügigen, ordentlichen und am Ende auch bezahlbaren Abschluss kommt. Dafür stehen wir zur Verfügung. Auch in der nächsten Sitzung. Und in der übernächsten.

Wenn nun 15 Prozent gespart werden sollen, ist das ein Anfang. Aber bei aller Wertschätzung für die Einsatzkräfte und das Ehrenamt: Eine Feuerwache muss in erster Linie löschen können. Sie muss nicht jede Sonderausstattung haben, die in einer Hochglanzbroschüre steht.

Entwurf eines Gerätehauses für die Feuerwehr Havighorst - Satire - Mit KI (ChatGPT) erstellt
Entwurf eines Gerätehauses für die Feuerwehr Havighorst – Satire – Mit KI (ChatGPT) erstellt

Und nebenbei, ganz leise: Oststeinbek

Während in Havighorst noch geplant, gerechnet und beschlossen wird, denken wir bereits an Folge zwei. Die Feuerwache in Oststeinbek stammt aus den 1970er Jahren. Die wird auch nicht jünger. Energetische Sanierung? Sehr wahrscheinlich. Erweiterung? Vermutlich. Und wenn die HFUK irgendwann auch dort einmal vorbeischauen sollte – nun ja.

Wir freuen uns dann auf eine neue Lenkungsgruppe. Auf Entscheidungsvorlagen zur Frage, ob Steckdosen lieber auf 1,05 m oder vielleicht doch auf 1,10 m montiert werden. Und auf den Moment, in dem wir in der Gemeindevertretung wieder einmal sagen dürfen: „Das hatten wir doch schon vor drei Jahren so gesagt.“


Das war ein ein satirischer Lagebericht aus Sicht der OWG